Computer Museum beider Basel (Pratteln) – ein Muss für Experimentelle Archäologie* oder hier kann man einfach 1995 weiterarbeiten

Bild: cmbasel.ch

Für nicht Eingeweihte: Das bis heute grosse Basel war einst eine einflussreiche Bischofsstadt, bevor es seine Herrschaft (pleite) dem Bürgertum verkaufte. Geherrscht wurde aber katholisch wie später bis in den Jura (Darum auch alle Arten (Farbe/Ausrichtung) von Bischofsstäben in den Flaggen). Nach der Frz. Revolution in der Restauration wollte das bürgerliche Basel seine über Jahrhunderte besetzen Gebiete zurück und die unterdrückten und rechtlosen Untertanen sagten nein. So entstand kriegerisch der Kanton Baselland(schaft) – Es gab Tote. Die Teilung müsste heute nicht mehr sein.

Das alles erklärt den Titel des Museums in Pratteln. Es ist das Computer Museum beider Basel. Was kantonal noch nicht funktioniert, funktioniert schon verschiedentlich lokal.

Standort: Industriegebiet Pratteln

Museen zur Infrastruktur/Technologie und deren Kultur haben es bekanntlich noch schwerer als ’normale‘ kulturelle Museen. Der Grund dafür ist einfach zu finden: Technologie wird – zumindest in der Schweiz – nicht als Teil der Kultur angesehen, es braucht ein Verständnis von Systemen und der Interferrenz von Kultur im Allgemeinen mit Technologie. Das ist trotz Internet und den massiven Veränderungen unserer Gesellschaft aufgrund der digitalen Kultur bis heute nicht angekommen. Kultur denkt sich hier medienlos (also wäre das Buch kein massiver Eingriff in den Alltag gewesen). Medientheorie hat nicht mal ein Standing. Und darunter leiden eben dann digitalere Kulturfestivals und Museen bei der Unterstützung. Die Macher des Museeums sehen aber auch das Problem, dass alles so schnell ging in den letzten 40 Jahren.

Das Museum befindet sich in einem ausgedehnten Industriegebiet, bei dem es für einmal nicht um die Salzgewinnung in Schweizerhalle und ihre Abfallverwertungsindustrien wie Farbchemie und Pharmaindustrie geht. In diesem Sinn liegt das Museum weiterhin in der Randregion der Gesellschaft, auch wenn die darin entwickelte Technik jeden Teil unserer Gesellschaft durchdrungen hat oder anders gesagt in jedem Phone und sogar in digitalen Uhren der „Motor“ ist.



Anders gesagt: Die Technologie wurde hier externalisiert. Die Geschichte des technisch Unbewussten liegt weiterhin an der Peripherie, verdrängt.

Die Anreise ins Unbewusste unserer Kultur findet sich auf der Webseite hier >

Eingebettet ist das „Museum“ über den Serverräumen der Firma ColoBâle in einem alten Industriebau, in welchem früher Eisenbahnwaggons gebaut wurden (durch kleine Fensterchen kann man dann auch ins Darunter schauen). Das Gebäude steht heute unter Industrie Denkmalschutz. Das Museum ist in mehreren Räumen untergebracht, der Hauptraum ist ein Raum der etwa 4x so gross ist wie das folgende Bild.

Museumsteilbereiche

Das Museum ist grob eingeteilt in verschiedene Bereiche: Die Urzeit der Computer mit Mainframes mit Lochkarten, Rechner im Industriebereich (Gerade hier wurde viel gerechnet), Bürocomputer- und Homecomputer, Kommunikation und einen Spielbereich mit Consolen von damals bis heute inklusive Computerspielen.

Mehr dazu findet sich auch auf der Webseite www.cmbasel.ch >

Anbei einige Bilder der Datenverarbeitung in der Frühzeit der Computerindustrie: Lochkartenbedienung/eingabe. Beim Besuch vor ein paar Wochen, waren hier gerade 4 Personen am Rumwerkeln. Es ging um die Frage, was funktioniert gerade, was muss noch restauriert werden.

Bild: Computer Museum beider Basel

Jeder der Bereich verfügt über viel selbst nutzbare Hardware. In den verschiedenen Bereichen findet mann dann auch Regale und kann die Design-/Technikgeschichte oft direkt neu erleben. Hier etwa die lange Geschichte des „Laptops“. Wie sehen sie aus, wenn es noch keine Flachdisplays gibt? Hier gibt es Vergangenheit zu entdecken und die Kultur/Praxis/Nutzungdazu. Selbstverstädnlich sind auch andere Personen mit ähnlichen Erinnerungen da.

Auch die Technikgeschichte der ‚digitalen‘ Kommunikation ist ebenfalls ein langer steiniger Weg: Minitels und Co…. All-In-One Text Kommunnikationsboxen. Dazu die kulturelle Frage: Lässt sich die französische Philosophie der 80er Jahre ohne die weitverbreiteten Minitel-Erfahrungen verstehen?

Oder mit dem Computer irgendwo „einwählen“? Vor dem Modem gab es dafür Akkustikkopplers.

Arbeitsmuseum

Das radikalste am Museum ist aber, dass man alle Computer begeh- und benutzbar sind. Es ist also ein lebendes Museum mit den Menschen dazu. Das bedeutet, dass es meist auch einfach alte Disketten vor Ort hat. Man kann also sofort anfangen weiterzuarbeiten hier im damals.

Noch nie an einem Schneider CPC gesessen und was getan? Dann kann man loslegen.

Besser geht Experimentelle Archäologie nicht. Man bemerkt schnell: Ah so hat sich das also im besten Fall angefühlt! Dabei kommt das Ganze nahe an die Nutzung von Computer damals heran: Im Hintergrund steht ‚Software‘, hat es die Bücher, die man brauchte, um die Computer überhaupt nutzen zu können (Wissen).

Hand anlegen: Nimmt man ein Tape oder dann doch eine Cartridge?

Dabei sind auch viele der Sonderformen/Variationsformen der Digitalisierung vorhanden. Es entsteht nicht der Eindruck, dass es nur eine Geschichte geben konnte, sondern es wird klar: Da wurde experimentiert. Dinge ausprobiert. Eine „Technische Evolution“ in vollem Gang ist beobachtbar. Darum „einfach mal sich hinsetzen“ und einen Brief schreiben. Und ja drucken.


Spielbereich

Der Spielbereich ist ebenfalls interessant, wird auch hier – anders wie in vielen Spielmuseen – eben auch die Breite der Entwicklung gezeigt bzw. ist diese direkt erfahrbar. Und die Spiele sind alle spielerisch zugänglich bzw. zumindest kann man fragen!

Neben vielen Consolen, die man dann doch nicht kannte, gibt es selbstverständlich auch die bekannten Verdächtigen. Der Besuch wird zum analogen „Surfen“ durch die Geschichte der Computergames.

Allein die Game-Bibliothek wartet mit viel Spielzeit und Erinnerungen auf die Besucher*.

In einem Zusatzraum sind dann vornehmlich via Emulationen sehr viele Spiele konkret spielbar. Hier geht es anders als im grossen Raum im Spielebereich eher um das Feeling der Games als um Orginal CRT-Feeling.

Zeit für viele Multiplayerspiele.

Das Ganze noch im ‚bewegten Bild‘:


Entstehung Museum

Eine gute Frage ist natürlich immer: Wie entstand dieses Museum. Die Antwort darauf ist wiederum interessant, geht es doch um ein Gymnasium in Basel.

Die Frage aber ist, warum waren dieses Gymnasium so ‚dick‘ drin in der Digitalisierung. Wie war dieses Gymnasium aufgestellt. Eine Antwort gibt die Webseite – interessanterweise war man aber schon sehr nahe dran an der Umgebung und den Firmen in der Region. Ob dies etwas spezifisch Baslerisches war?

Auch hier gibt es zusätzliche Informationen auf der Webseite >

Fazit

Das ComputerMuseumBesuch ist sicher mindestens einen Besuch wert.

Und ja wenn man zu Hause noch ein paar alte Disketten hat. Einfach mitnehmen, die Chancen stehen gut, dass man da weiterarbeiten kann! Oder zumindest noch herausfindet, was auf den Disketten ist – denn es gibt hier fast alle verschiedenen Computertypen. Oder es ist zumindest noch jemand anderer da, der auch damit gearbeitet hat.

In diesem Sinn: Ausprobieren ist alles in jenen und diesen Tagen.

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